Am_Pier_von_Gili_TrawangPunkt 6.00 Uhr klingelte das Mobilephon neben unserem Bett. Zeit zum Aufstehen. Es geht weg von Kuta (Bali) Richtung Gili Trawangan. Gili Trawangan ist eine von drei kleinen Inseln am nord-westlichen Ende von Lombok. Gemäss Reisführer und Internet sollen dort weisse Sandstrände, super Tauchgründe und Ruhe geben. Nach einem kurzen Frühstück kam auch schon ein kleiner schmechtiger Mann um die Ecke, der uns mit seinem Toyotabus abholen kam. Am Bus angkommen stellen wir schon zum ersten Mal fest, dass wir nicht die Einzigen sind, die zu den Gili Islands wollten. Naja, enge Platzverhältnisse waren wir uns ja schon gewohnt. Doch die anderen britischen Mitreisenden – alles D&G und Gucci-Fanatiker – sahen dies ein wenig anders. So hatten wir während dem Transfer zum Pier noch einige kleine Momente, die wir still ins Fäustchen lachen konnten. Schadenfreude beiseite. Am Pier angekommen gings mit einem Speedboot weiter nach Gili Trawangan. Knapp 1.5 Stunden später machte das Boot auch schon am weissen Sandstrand fest. Wie immer erwartete uns eine Horde Locals, die Zimmer- und Transfer-Angebote auf Lager hatten.

Wir schlossen uns einem netten jungen Mann an, der sich uns als Mauwi vorstellte. Nach knappen 10 Minuten Fussmarsch erreichten wir ein kleines aber feines Plätzchen namens „Creativ Home Stay“. Das Zimmer kostete knapp 10 Franken und wurde uns inklusiv Frühstück angeboten. Ein gutes Angebot, dass wir nicht ausschlagen wollten. So stand unser Zuhause für die nächsten 8 Tage auf Gili Trawangan fest. Anna machte es sich als erstes ein wenig gemütlich während Remi die Insel erkundete. Dutzende Restaurants und Bars reihten sich entlang der Uferpromenade aneinander. Dazwischen unzählige Tauchbasen die alle mit den gleichen Angeboten warben. Schon bald stand fest, dass hier mit Feilchen wohl nichts laufen würde. Doch ein kleines Schmuckstück hebte sich schon bald von allen anderen Angeboten ab. Eine Tauchbasis, die voll und ganz auf das Freediven ausgerichtet war. Schon fast euforisch überbrachte Remi Anna die Nachricht von dem Freedive-Angebot auf der Insel. Und so stand kurze Zeit später fest, dass wir uns für einen Freedive-Kurs einschreiben werden. Doch zuerste schnappten wir unsere Flossen, Taucherbrillen und Schnorchel, und gingen die Unterwasserwelt rund um Gili abchecken. Wir sprangen am oberen Ende zwischen Gili Trawangan und Gili Meno, die Nachbarinsel, ins Wasser. Die Strömung im Kanal zwischen den Inseln glich einer Fahrt im Aufzug. Doch irgendwie machte es richtig Spass. Obendrauf kam noch, dass die Sichtweiten über 20 Meter betrugen. Also einfach gleiten lassen und geniessen. In den knapp 30 Minuten Driftschnorcheln schwammen und ganze 8 Schildkröten über den Weg. Ebenfalls beehrten uns Grossmaulmakrelen mit ihren Jagtzeremonien. Schwarmfisch wo man hinkuckte. Jedoch liesen die Korallenwelt sehr zu wünschen überig. Die haben Locals ein paar Jahre vorher mit Dynamit-Fishing zerbombt.

Nach einer Dusche und einem Nachtessen entschlossen wir uns, zu Freediving Gili zu gehen und uns für einen Kurs einzuschreiben. Kate, die Inhaberin und Freedive-Istrucorin empfieng uns und stellte uns das Ausbildungsprogramm vor. Freedive-Level 1 beinhaltete Atem- und Entspannungstechniken, Materialkunde, Stretching und die physischen und psychischen Auswirkungen auf den Menschen unter Wasser. Ebenfalls waren allgemeine Sachen wie Gegebenheiten am Tauchplatz wie Meeresbewegungen, Flora und Fauna mit dabei. Viele Sachen kannten wir schon. Doch trotzdem war es spannend, das Ganze nochmals aus Sicht des Freediven kennen zu lernen. Leider mussten wir noch ganze 3 Tage warten, da der anstehende Kurs mit 9 Teilnehmern schon restlos ausgebucht war. Naja... ist ja auch nicht so schlimm. Es gibt ja noch andere Sachen die wir auf der Insel machen können – dachten wir. Dies stellte sich jedoch meistens als sehr sehr kostspielig oder als Tourischleuse heraus. So buchten wir z. Bsp. einen Schnorcheltrip, der naja – ein wenig ein Reinfall war. Denn was wir da zu sehen bekamen war schlicht und einfach scheisse. Von Korallen weit und breit nichts zu sehen. Sandboden, Reste von Korallenblöcken und ein paar wenige Fische. Für den durchschnitts Touri sicher ein Erlebnis. Doch für zwei Taucher, die doch schon einiges vor die Taucherbrille bekamen, schlicht und einfach eine Entäuschung.

Ebenfalls eine Art Entäuschung waren die Restaurants und Bars auf der Insel. Preise, die sich mit denen in der Schweiz vergleichen lassen. Abzocke wo das Auge hinreichte. Auch unsere Bleibe stellte sich nach der ersten und zweiten Nacht als ein wenig dürftig raus. Denn gleich hinter unserem Home Stay gab drei Mal am Tag eine Minarett und der Mann oben auf dem Turm sein Bestes. Ach was solls. Auch das steckten wir weg. Unser Fokus richtete sich voll und ganz auf unseren Apnoe-Kurs. Und dann war er da – der Tag an dem wir unsere erste Theorie- und Freiwasserlektion hatten. Leider war das Wetter alles andere als gut. Und so gingen wir bei Regen und Gewitterwolken ins Wasser. Eigentlich hatten wir erwartet, dass wir an einem Riff unsere Übungen machen würden. Doch weit gefehlt. Es ging ab ins Freiwasser, wo weit und breit nur tiefes Blau zu finden war. Ein wenig mulmig war es uns schon. Denn die Tauchleine unter uns endete im Nichts. Kate zeigte uns den Duckdive und die ersten Tauchtechniken. Ungewohnt war, dass beim Abtauchen nicht nach dem Grund geschaut, sondern Kopfüber das Seil fokusiert wurde. 30 Minuten später hingen wir bereits auf 10 Meter am Ende der Leine. Schnell erhöhte sich unsere Grundzeiten auf 1 Minute und länger. Das Zeichen für Kate, die Leine weitere 5 Meter in Tiefe zu lassen. Auch die 15 Meter waren kein Problem. So hing das Blei am Ende der Leine bald auf 18 Meter. Und dann kam er, der Punkt, der jeder neue Freediver wohl einfach nur als der absolute Hammer beschreiben würde. Auf 18 Meter angekommen zeichnete sich langsam aus dem Nichts der Grund ab. Dieser lag an jener Stelle auf knapp 30 Meter. Das Gefühl ist kaum zu beschreiben. Einfach ohne Hilfsmittel wie Tauchflasche und Lungenautomat mit einem guten Gefühl im Bauch am Ende eines Seiles zu hangen, weit unten der Grund und rundum nichts als klares, weites und tiefes Blau. Lagsam wurde es kalt. Kein Wunder. Denn wir befanden uns bereits 2.5 Stunden mit einem Shorty im Wasser. So näherte sich unser erster Tauchtag dem Ende. Ein wenig erschöpft aber überglücklich gönnten wir uns eine Dusche und ein anschliessendes Nachtessen.

Am nächsten Morgen empfieng uns ein blauer Himmel und eine stahlende Sonne zu unserem zweiten Ausbildungstag. Nach theoretischen Atem- und Rettungstechniken ging es mit dem Schiff wieder raus aufs offene Meer. Kate hängte die Leine gleich mal auf 15 Meter runter. Kein Problem. Alle Teilnehmer schafften die 15 Meter mit links. So ging es mit Rettungstechniken im Falle eines LMC/SBO (lost of motoric controll/shelow water blackout) weiter. Spielend leicht meisterten wir auch diese Lektion. Und so setzten wir zum finalen Schritt – dem ein wenig tiefer Tauchen an. Die Leine – beziehungsweise das Blei am Ende der Leine hing nun auf 20 Meter. Von der Oberfläche nicht mehr zu sehen. Kate, die sonst auf 50 Meter und tiefer taucht, zeigte uns vor, wie das Ganze auszusehen hat. Sie zog sich nach ein paar Atemzüge kopfüber am Seil in die Tiefe und verschwand nach 15 Meter im tiefen Blau. Der Saftydiver machte sich ebenfalls auf nach unten. Dieser empfing Kate auf 10 Meter und begleitete sie zurück an die Oberfläche. Oben angekommen kam das OK-Zeichen und 5 Recovery-Breth. Nun waren wir an der Reihe. Anna setze zum Abstieg an und verschwand ebenfalls nach 15 Meter im Nichts. Kurze Zeit später zeichnete sich ihre Siluette in der Tiefe ab. Und da war sie – zurück an der Oberfläche. 19 Meter stand auf ihrem Tauchcomputer. Mit einem riesen Lachen begab sie sich zur zweiten Boje wo ausgeruht wurde. Remi war dran. 2 Finale Atemzüge und schwups war er weg. Langsam zog er sich in die Tiefe und hielt 25 Sekunden später das Blei am Ender der Leine in den Händen. Doch nicht genug. Noch ein Flossenschlag mehr und 21 Meter stand auf dem Compi. Von Zwechfell-Kontraktion noch überhaupt keine Spur. Trotzdem Zeit zum auftauchen. Auf 10 Meter angekommen lachte in Anna als Sicherungstaucher an. Gemeinsam gings zurück an die Oberfläche. Einfach nur unglaublich was in zwei Tage Freedive-Kurs zu schaffen ist. Und so hielten wir beide kurze Zeit später unser Brevet als SSI Freediver Level 1 in den Händen. Dies war ebenfalls das Zeichen, sich von Gili Trawangan zu verabschieden.

Am nächsten Morgen ging es mit der Fähre zurück nach Kuta (Bali) wo wir uns auf die Verlängerung unsere Visas vorbereiten mussten.

Vielleicht nocht ein kleiner Link an dieser Stelle. Eines der wohl atemberaubensten Videos über Freediving. Viel Spass beim kucken.